Der Papageien - Pflegeplatz

Ein   für Papageien mit Handicap  

 

Der Papageienpflegeplatz ist vom Veterinäramt

am 07.02.2018 erneut geprüft und anerkannt.

 

Kontakt:

Info@papageien-pflegeplatz.de

Kontakt@papageien-pflegeplatz.de 

 

Wegen Urlaub

vom 18.07.- 16.08.2019 geschlossen.

 


Papageientrainerin J. Koser


Karin Poser

Trägerin des Bayerischen Tierschutzpreises


Ehrung 2019 Projekt blaue Schleife "Papageienzeit"


 
 
 
 
 
 
 
 

Besucherzahlen 


Jessica Koser

Bereits als Kind habe ich Tiere trainiert. Inspiriert durch Serien und Filme wie Lassie, Bingo, Kommissar Rex und Flipper begann ich im Alter von 9 Jahren, unserem Familienhund Troll, einem 44kg schweren Riesenschnauzer, das Apportieren und Unterscheiden verschiedener Gegenstände beizubringen. Es folgten Katzen, die auf Kommando bestimmte Positionen einnahmen; Nagetiere, die kleine Parcours überwinden konnten; Kanarienvögel, die auf Zuruf auf die Hand kamen bis hin zum Pferd, das „Bei Fuß“ ging und lernte, mich zu spiegeln. Es war mein persönliches Hobby, über dessen Sinn und Notwendigkeit ich mir keine Gedanken machte. Es erschien mir praktisch, wenn mein Hund mir meine Fernbedienung bringen konnte, den Lichtschalter bedienen oder mir die Haustüre von innen öffnen konnte, wenn ich mal wieder ohne Schlüssel das Haus verlassen hatte. Kleine Tricks wie „Pfötchen heben“ und „sich tot stellen“ hatten einen gewissen Unterhaltungsfaktor und ich kann guten Gewissens sagen, dass sowohl ich, unsere Zuschauer und auch meine Schützlinge Spaß am Training hatten.

Inzwischen bin ich Tierärztin und habe einen meiner Schwerpunkte auf das aktive Verhaltenstraining exotischer Hausund Zootiere gelegt. Eine Leidenschaft, die sich im Laufe meines Studiums zur Profession entwickelt hat. Heute beschäftige ich mich dabei in erster Linie mit Papageien und Sittichen. Ich unterstütze Halter in Verhaltens- und Haltungsfragen bezüglich ihrer befiederten Mitbewohner. Natürlich habe ich noch immer Spaß beim Training, jedoch hat sich meine Motivation dahinter in der Zwischenzeit verändert. Eine schulmedizinische Ausbildung kann nämlich manchmal sehr frustrierend und mitunter unbefriedigend sein. Immer wieder wurde ich mit klinischen Fällen konfrontiert, deren Ursprung sich in Haltungs- und Ernährungsfehlern fand. Ob die Schuld nun beim Halter, der sich schlicht unzureichend oder gar nicht informiert hat, oder an schlechten Informationsquellen liegt, spielt dabei keine Rolle. Fakt ist es, dass in der tierärztlichen Routinediagnostik häufig nicht die Zeit bleibt, eine ganzheitliche Aufklärung und Beratung anzubieten. Somit habe ich es mir zum persönlichen Ziel gemacht, die Brücke zwischen Haltern und kurativ tätigen Praktikern zu schlagen. Der praktische Tierarzt ist in dieser Konstellation unverzichtbar, denn eine klinische Ausschlussdiagnostik muss vor jeder Verhaltenstherapie erfolgen. So lange organische Ursachen für pathologische Verhaltensweisen nicht geklärt sind, kann und möchte ich auch nicht therapeutisch eingreifen.

Die Zusammenarbeit in einem gut organisierten Netzwerk aus praktizierenden Tierärzten, Trainern und Haltern ist deshalb unerlässlich. Als Verhaltensmedizinerin und Papageientrainerin werde ich immer wieder mit der Frage konfrontiert, warum Exoten denn überhaupt trainiert werden müssten. Training würde die Tiere zu unnatürlichen Verhaltensweisen zwingen. Trainer würden Tiere dressieren wie Zirkusäffchen und es diene dem alleinigen Zweck, die Tiere gefügig zu machen oder gar zu brechen. Mit diesen und anderen Aussagen setze ich mich regelmäßig in meinem beruflichen Alltag auseinander, sodass ich im Folgenden gerne Stellung dazu beziehen möchte.

Zunächst müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass Papageien als Haustiere in keiner Weise mit den üblichen Haussäugetieren Hund, Katze oder Meerschweinchen gleichzusetzen sind. Abgesehen von der Tatsache, dass Vögel schlicht keine Säugetiere sind, haben wir es bei unseren Heimvögeln mit echten Wildtieren zu tun. Eine Ausnahme stellen wenige Arten dar wie beispielsweise der Wellensittich (Melopsittacus undulatus) und der Nymphensittich (Nymphicus hollandicus), welche inzwischen durchaus als domestiziert angesehen werden dürfen.

Domestikation wird im allgemeinen Sprachgebrauch leider häufig fälschlicherweise mit dem Begriff der Zahmheit gleichgesetzt. Dabei werden wichtige Aspekte wie die genetische Veränderung in Form von Zucht völlig außer Acht gelassen. Während der Wellensittich seit über hundert Jahren in menschlicher Obhut nachgezüchtet wird, befinden sich bei den meisten Papageienarten noch immer Wildfänge in menschlicher Obhut, sodass man bei unseren Papageien nicht von einer genetischen Abgrenzung von der Wildform im Sinne der Domestikation sprechen kann. Dass Domestikation ein Prozess ist, der im Falle unserer Papageien bereits begonnen hat, ist unumstritten, seit wir damit begonnen haben, den Lebenspartner für unseren Schützling auszusuchen und ich mit Entsetzen genetisch bedenkliche Farbzuchten in zunehmender Zahl im Internet entdecke.

Warum ist es also wichtig, einen Papagei als Wildtier anzuerkennen und zu definieren? Während ein domestiziertes Haustier ursprünglich einzig zu dem Zwecke gezüchtet wurde, menschliche Bedürfnisse wie Nahrung, Schutz oder Wärme zu erfüllen, ist ein Wildtier noch Herr seiner natürlichen angeborenen Verhaltensmuster, die ihm das tägliche Überleben sichern und wird einzig aus eigennützigen Motiven des Menschen gehalten. Das Argument der Arterhaltung spielt dabei sicherlich auch eine Rolle, jedoch spreche ich diesem bei Privathaltern ohne Zuchtambitionen eher geringere Bedeutung zu.

Um den Sinn von Training zu verstehen, müssen wir uns also zunächst mit den Begriffen „Verhalten“ und „Lernen“ auseinandersetzen. Tatsächlich gibt es in der Fachliteratur keine einheitliche Definition des Begriffes „Verhalten“. Ganz allgemein gehalten werden unter Verhalten häufig zunächst die äußerlich sichtbaren Bewegungen von Mensch und Tier angesehen. Tatsächlich gehört dazu noch allerhand mehr, denn auch ein lauernder Tiger zeigt Verhalten. Wie auch eine Stabheuschrecke, die über Stunden scheinbar regungslos auf einem Blatt sitzt. Pflanzen bewegen sich ebenso wie Einzeller. Ist das dann auch Verhalten?

Ich möchte Verhalten also heute mit der Definition des Verhaltensökologen und Soziobiologen Prof. Dr. Peter M. Kappler ansprechen, wie er sie in seinem Werk „Verhaltensbiologie“ benennt: „Das Verhalten bezieht sich auf die intern koordinierte Kontrolle von Bewegungen und Signalen, mit denen ein intakter Organismus mit Artgenossen oder anderen Komponenten seiner belebten oder unbelebten Umwelt interagiert, sowie auf Aktivitäten, die der Homöostase (=biologische Mechanismen der Körperregulation) eines Individuums dienen.“ Um dieser Definition gerecht zu werden, muss der Aspekt des Lernens dringend Berücksichtigung finden. „Die intern koordinierte Kontrolle von Bewegungen und Signalen“ bietet sich dabei als Beispiel an. Ein Vogel muss zum Beispiel lernen zu fliegen. Das bedeutet nicht, dass ihm jemand zeigen muss, wie es funktioniert, aber es bedarf einiger Übung. Nur weil ein Vogel in der Lage ist, bei einer vermeintlichen Gefahr erschrocken auf den nächstgelegenen Baum zu fliegen, bedeutet dies noch lange nicht, dass er auch ohne Probleme wieder runter kommt. Nach unten zu fliegen ist für die meisten Vögel ein größeres Problem als nach oben zu fliegen. Das sollte man keinesfalls mit Höhenangst verwechseln, sondern schlicht als fehlende Übung ansehen. Das Fliegen muss wie auch das korrekte Verhalten in einer sozialen Gemeinschaft (ob das nun ein Schwarm, ein Partnertier oder der Mensch ist) somit erlernt werden.

Lernen hat im allgemeinen Sprachgebrauch verschiedene Bedeutungsebenen. Hier möchte ich mich auf das Aneignen von Wissen und Kenntnissen/ Erfahrung reduzieren. Dass Nudeln für die meisten Papageien schmackhafter sind als Zucchini, weiß der Vogel nicht von Natur aus, sondern er hat es gelernt – hier durch eigene Erfahrung. Ebenso lernt ein Kind, ungesundes Fast Food zu schätzen. Der Vorgang prägt sich in das Gedächtnis ein. Je nachdem, welche Neurotransmitter und Rezeptoren dabei aktiv werden, kann sich das Erlebnis als besonders positive oder besonders negative Erinnerung manifestieren. Auf diese Weise entstehen Erfahrungen, die jeder Organismus im Laufe seines Lebens macht. Bereits hier sollte jedem Tierhalter bewusst werden, welche Verantwortung er trägt, wenn er ein Jungtier, ganz gleich welcher Art es angehört, in seine Obhut nimmt.

Um unseren Schützlingen die Regeln des Lebens vermitteln zu können, bedarf es einer eindeutigen Kommunikationsebene. Von Natur aus ist diese allerdings zwischen Vogel und Mensch nicht gegeben. Wir müssen diese, genau wie unsere befiederten Mitbewohner, zunächst lernen. Dazu gibt es allerhand Methoden (näheres darüber möchte ich einem späteren Artikel berichten). Das Wichtigste, das ich Ihnen heute, liebe Leser, mit auf den Weg geben möchte, ist, dass Lernen Spaß macht und es unzählige Wege zum Ziel gibt. Niemand muss permanent mit einem Clicker in der Hand durch sein Haus ziehen oder ständig mit Leckerchen in der Tasche bewaffnet sein. Die optimale Strategie muss individuell für jede Tier-Mensch-Konstellation gefunden werden. Schwerwiegende Probleme oder hormonell bedingte Verhaltensauffälligkeiten lassen sich sicherlich nicht „weg clickern“, aber durch das Verstehen der jeweiligen Art, das Wissen der individuellen hoch spezialisierten Ansprüche und Kenntnisse über den natürlichen Lebensraum kann schon allerhand bewirken.

Training bedeutet also für mich, in Anbetracht meines derzeitigen Erkenntnis- und Wissensstandes (und diesen erweitere ich täglich), ein Instrument zu nutzen, welches mir eine unmissverständliche Kommunikation zwischen Mensch und Tier liefert. Es gibt uns die Möglichkeit, unseren Vögeln Zuverlässigkeit zu signalisieren und somit Vertrauen aufzubauen. Es kann uns den Alltag erleichtern und eine medizinische Behandlung stressfrei gestalten. Und der wichtigste Aspekt dabei:

Papageientraining macht Spaß!